Umgang mit wählerischem Essverhalten bei Kindern: praktische Tipps
Verweigert dein Kind plötzlich Essen, das es vorher gern gegessen hat? Das ist nicht deine Schuld. Im Alter von etwa eineinhalb bis zwei Jahren beginnt bei manchen Kindern die wählerische Essphase, ein normaler Schritt in der Entwicklung. Was hilft: gemeinsam dieselbe Mahlzeit essen, ausreichend Abwechslung, Gemüse tagsüber anbieten und immer wieder anbieten, auch wenn dein Kind es nicht sofort probiert oder mag. Essregeln, Konsequenzen und Druck sind auf lange Sicht meist nicht hilfreich.
Merkst du, dass dein Kind immer öfter Essen verweigert? Bleibt das Gemüse meistens liegen, oder hörst du sofort, dass dein Kind es nicht mag? Oder isst dein Kind gerade sehr gut und wird dir von deinem Umfeld manchmal Angst gemacht, dass das ganz schnell vorbei sein kann? Was kannst du tun, wenn dein Kind Essen verweigert, wie kommt es, dass ein Kind anfängt, Essen zu verweigern, und gibt es die wählerische Essphase wirklich?
Wir haben Iris Vernooij von STERK & ZOET gefragt. Iris ist Pädagogin und (Kinder-)Ernährungsexpertin und unterstützt Eltern und pädagogische Fachkräfte bei der Esserziehung ihrer Kinder. Sie ist für Familien da mit persönlicher Begleitung, Online-Kursen und den Tischkärtchen mit Gemüse und Obst. Außerdem inspiriert sie Eltern mit gesunder Ernährung durch ihre Kochbücher Groente voor kids und IJSJES. Unten erzählt Iris mehr über die wählerische Essphase und gibt praktische Tipps für den Umgang damit.
Warum verweigert ein Kind plötzlich das Essen?
Von einem Tag auf den anderen kann dein Kind immer öfter Gemüse oder andere Lebensmittel verweigern. Das ist nicht immer leicht, aber aus der Entwicklung heraus gut zu erklären. Im Alter von etwa eineinhalb bis zwei Jahren beginnt bei manchen Kindern die wählerische Essphase.
Diese Phase hat eine evolutionäre Erklärung. Das ist das Alter, in dem Kinder früher auf Entdeckungsreise gingen, weil sie krabbeln oder laufen konnten. Sie mussten davor bewahrt werden, einfach alles in den Mund zu stecken: Ein Blatt oder eine Beere konnte giftig sein.
Es ist also nicht deine Schuld, wenn dein Kind auf einmal schlechter isst. Es gehört zur Entwicklung, dass dein Kind plötzlich misstrauisch ist oder etwas Neues erst einmal ablehnt.
Warum hilft gemeinsames Essen?
Ein Kind in der wählerischen Essphase braucht zusätzliche Bestätigung, dass das Essen essbar ist. Daher kommt der Rat, gemeinsam zu essen und dabei dieselbe Mahlzeit zu essen. Möchtest du deinem Kind beibringen, Paprika oder Aubergine zu essen? Dann ist der erste Schritt, es selbst zu essen.
Um eine Mahlzeit für die ganze Familie so einfach wie möglich zu machen, hat Iris das Kochbuch Groente voor kids entwickelt, mit 100 einfachen, gesunden und leckeren Gemüserezepten für die ganze Familie. Bei jedem Rezept steht, ab welchem Alter es geeignet ist und wie du es anbieten kannst, wenn dein Kind jünger ist oder Schwierigkeiten mit bestimmten Konsistenzen im Gericht hat. So machst du jede Mahlzeit mit einer kleinen Anpassung passend für dein Baby, dein Kleinkind, dein Kind und dich selbst.
So hilfst du deinem Kind durch die wählerische Essphase
Es ist völlig in Ordnung, wenn dein Kind in die wählerische Essphase kommt, das ist bei vielen Kindern so. Du kannst dein Kind in dieser Phase aber unterstützen. So hast du Einfluss auf die Dauer und die Intensität.
Iris beobachtet, dass Eltern schnell dazu neigen, Essregeln, Konsequenzen oder Druck einzusetzen. Zum Beispiel "noch drei Happen, weil du drei Jahre alt bist" oder "noch drei Happen, dann darfst du noch Kartoffeln haben". Ganz logisch, denn du möchtest so gern etwas verändern, aber auf lange Sicht ist das nicht immer hilfreich.
Was hingegen helfen kann:
- Ausreichend Abwechslung anbieten.
- Gemüse tagsüber anbieten.
- Immer wieder anbieten, auch wenn dein Kind es nicht sofort probiert oder mag.
- Gemeinsam essen und dieselbe Mahlzeit essen, damit dein Kind sieht, dass es essbar ist.
"Es ist völlig in Ordnung, wenn dein Kind in die wählerische Essphase kommt, das ist bei vielen Kindern so."
Iris Vernooij
Plötzlich will dein Kind es selbst machen und selbst bestimmen
Neben der wählerischen Essphase gibt es weitere Faktoren, durch die sich das Essverhalten verändert. Denk an die Geschmacksentwicklung und die Autonomie. Wo dein Kind als Baby noch bereitwillig den Mund öffnete, ist ihm jetzt bewusst, dass es Nein sagen, verweigern oder eine Reaktion hervorrufen kann.
Eine neue Entwicklungsphase, die es nicht immer leicht macht, aber wesentlich ist für das Essenlernen und den Aufbau einer gesunden Beziehung zum Essen.
Machst du dir Sorgen um das Essverhalten deines Kindes?
Hast du nach dem Lesen Zweifel oder Fragen und möchtest dich gern kurz beraten lassen? Nimm gern Kontakt mit Iris auf, um gemeinsam zu schauen, wie die Mahlzeiten wieder nahrhaft und gemütlich werden.
Jetzt ein Kennenlerngespräch vereinbaren
Mehr über Iris Vernooij erfahren?
Besuche ihre Website für ausführliche Informationen: sterkenzoet.nl. Folge ihr auch auf Instagram für die neuesten Updates und Inspiration.
Zusammenfassung
- Mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren beginnt bei manchen Kindern die wählerische Essphase; sie ist ein normaler Entwicklungsschritt und nicht deine Schuld.
- Dein Kind braucht zusätzliche Bestätigung, dass Essen essbar ist: Esst gemeinsam und esst dieselbe Mahlzeit.
- Essregeln, Konsequenzen und Druck sind auf lange Sicht meist nicht hilfreich.
- Was helfen kann: ausreichend Abwechslung, Gemüse tagsüber anbieten und immer wieder anbieten.
- Auch die Geschmacksentwicklung und die wachsende Autonomie verändern das Essverhalten; diese Phase ist nötig für eine gesunde Beziehung zum Essen.
Häufige Fragen
Gibt es die wählerische Essphase wirklich?
Ja. Mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren wird ein Teil der Kinder misstrauisch gegenüber Essen, vor allem gegenüber Neuem. Evolutionär schützte das Kinder, die gerade krabbeln oder laufen konnten, vor giftigen Blättern und Beeren.
Soll ich mein Kind noch drei Happen essen lassen?
Lieber nicht. Essregeln und Konsequenzen sind logisch, wenn du etwas verändern möchtest, aber auf lange Sicht oft nicht hilfreich. Immer wieder anbieten ohne Druck kann dagegen helfen.
Was, wenn mein Kind gerade sehr gut isst?
Dann kann die wählerische Essphase trotzdem noch kommen, und das ist in Ordnung. Gemeinsam essen, Abwechslung und Gemüse tagsüber anbieten sind auch dann die Basis, und damit hast du Einfluss auf die Dauer und die Intensität der Phase.