Stillen 2.0 | Cesanne erzählt von ihrer Erfahrung mit Langzeitstillen
Früher habe ich schon einmal einen Blog* über das Stillen als „neue Mutter“ geschrieben. Jetzt, 2 Jahre später, hat Kideo mich gefragt, ob ich einen neuen Blog über das Stillen schreiben möchte. So here it is.
Stillst du immer noch?
Als stillende Mama, aber auch als Ernährungsfachfrau, ist das so ein schmerzhafter Satz! Immer noch, als wäre es nicht normal, nach 3 Monaten noch zu stillen – denn ehrlich, diesen Satz hörst du eigentlich schon ab Woche 12 nach der Geburt. Es gilt als sozial unerwünscht, sein Kind so lange zu stillen. Merkwürdig, denn die WHO (World Health Organization) empfiehlt gerade, mindestens 2 Jahre oder länger zu stillen. Und zwar aus gesundheitlichen Gründen, für Mama und Kind. Die nächste Frage ist oft: Wie lange machst du noch weiter? Meine Antwort? So lange er noch möchte. Und das stimmt auch: Solange mein Sohn noch nach „Mamamilch“ fragt, stille ich weiter. Ich merke aber schon, dass Menschen auch dabei ihre Fragezeichen haben. Das sind oft Männer oder Menschen, die keine Kinder gestillt oder nur kurz gestillt haben.
Stillen ist nicht nur Nahrung.
Im ersten Jahr ist Stillen natürlich wirklich Nahrung, aber es ist so viel mehr als das. Es ist ein Stück Trost, Regulieren, Bindung, die Aufnahme von Antikörpern – und auch für Mama hat Stillen viele gesundheitliche Vorteile. Darüber könnte ich noch lange weiterreden, aber darum geht es in diesem Blog nicht. Das zweite Jahr ist genauso schön wie das erste. Okay, die nächtlichen Stillmahlzeiten schlauchen einen manchmal wirklich, aber wenn du dafür einmal eine Lösung gefunden hast, sind auch die schwereren Momente alles wert! Wenn Ties einen aufregenden Tag oder einen Tag voller Reize mit lauter neuen Dingen hatte, fragt er öfter nach „Mamamilch“ als an „normalen“ Tagen. Ob ich zu Hause bin oder ob er allein mit meinem Freund ist, macht auch einen Unterschied. Wenn er zum Beispiel mit Papa etwas Schönes/Neues unternimmt und ich nicht da bin, reicht Kuscheln mit Papa, aber wenn Mama wieder zu Hause ist, möchte er doch noch kurz trinken.
Mama wird immer gebraucht ...
Beim Zubettbringen ist es eigentlich dieselbe Geschichte. Wenn ich ihn ins Bett bringe, „muss“ ich ihn in den Schlaf stillen, und Papa kann ihn einfach hinlegen, eine Umarmung (und manchmal der Schnuller) reicht. Zum Glück, es wäre ja auch seltsam, wenn Papa plötzlich stillen könnte, haha. Aber ich schweife ab. Stillen ist nicht nur Nahrung, es ist auch Trost, Halt und Sicherheit. Und es ist ein Moment der Bindung. Ein Mutter-Kind-Moment. Ich finde es auch herrlich, wenn er bei mir auf dem Schoß liegt, trinkt und dabei einschläft. Ja, dann musst du eben 12 Kilo schlafend ins Bett bekommen oder auf dir schlafen lassen. Während es diese Momente im ersten Jahr ziemlich viele gibt, verschwinden sie nach dem ersten Jahr langsam. Wenn sie dann doch noch einmal da sind, genieße ich sie wirklich. Und weißt du, eine Freundin von mir hat es neulich sehr schön gesagt: Es sind nur ein paar Jährchen, in denen du dich auf diese Weise „aufopferst“, und du bekommst so viel Schönes dafür zurück.
Es gibt auch schwierige Momente.
Was ich selbst am schwierigsten am Stillen finde, ist, dass mein Sohn eine vollständige Kuhmilchallergie hat und ich teilweise. Ich vertrage Kuhmilch an sich nicht, und er verträgt auch die sauren Milchprodukte wie Käse und Joghurt nicht. Also alle (Kuh-)Milchprodukte. Weil ich stille, darf ich das jetzt selbst auch nicht essen, und ich liebe Joghurt und Käse so sehr! Vor allem Brie ... aber weißt du, auch das ist es mir wert. Und ganz selten esse ich doch ein Sahnetörtchen oder ein Stück Käse. Zum Glück bekommt Ties nicht sofort heftige Krämpfe wie andere Kinder, und ich kann ab und zu ein bisschen schummeln, aber natürlich ist es besser, wenn ich das nicht tue. Aber ja, wir bleiben alle Menschen, und manchmal ist es einfach wirklich schwierig.
Langzeitstillen hat viele Vorteile.
Die Ernährungsfachfrau in mir sieht natürlich auch die anderen Vorteile des „Weiterstillens“. Neben der emotionalen Entwicklung und den Genussmomenten hat es natürlich auch körperliche Vorteile für dich und dein Kind. Du baust weiter sein/ihr Immunsystem auf, und dein eigenes, denn wenn dein Kind krank ist, bildest du sofort die Antikörper, die es braucht. Dein Kind profitiert weiterhin von den Nährstoffen, die du aufnimmst. Isst dein Kind also mal weniger Gemüse, bekommt es trotzdem noch einen kleinen Teil über dich. Weniger als im ersten Jahr natürlich, aber etwas ist immer besser als nichts. Außerdem hat es auch für dich selbst Vorteile: Jede Stillmahlzeit verringert dein Risiko für unter anderem Brust- und Gebärmutterhalskrebs.